Gabsheim - der geographische Mittelpunkt des Weinanbaugebietes Rheinhessen
7. Die weitere Entwicklung - Ausblick

Seit der Eröffnung ist der Mittelpunktplatz gut angenommen worden. Menschen, die das erste Mal da waren, äußern sich begeistert über die Weite der Landschaft, den schönen Blick auf das im Tal liegende Gabsheim und sie lesen interessiert die Texte auf den Tafeln. Bisweilen finden sich Gruppen ein, die dort gemeinsam feiern und sich unterhalten. Es wäre in Zukunft denkbar, dass an bestimmten Wochenenden Gabsheimer Winzer dort ihre Weine anbieten.

Durch die erhöhte Lage mitten in Rheinhessen schweift der Blick zu den Mittelgebirgen die von drei Seiten Rheinhessen umgeben. Im Süden das Nordpfälzer Bergland mit dem Donnersberg, im Osten der Odenwald mit dem Melibokus und im Norden der Taunus mit dem Großen und Kleinen Feldberg. Leider kann man den Blick nicht ungestört in die Runde schweifen lassen, weil das Wasserwerk mit den Büschen und Bäumen den Rundumblick stört.
Deshalb hat der Gabsheimer Gemeinderat in der ersten Hälfte des Jahres 2009 beschlossen, dass man das Dach des Wasserhäuschens etwa 1,50 m anheben und so eine Aussichtsplattform mit Orientierungstafel schaffen wolle, die einen ungestörten Rundumblick erlaubt.
Gegen einen solchen Eingriff können aus Denkmalschutzgründen Bedenken vorgebracht werden. Das Wasserhäuschen wurde im Jahr 1907 errichtet, es ist ein Typenbau mit Jugendstil-Merkmalen. Über die denkmalschützerischen Bedenken lässt sich aber m. E. diskutieren. Wenn Denkmalschutz bedeutete, dass ein Gebäude in seinem einmal erreichten Stand nicht mehr verändert werden dürfe, dann müsste z. B. ein Kuhstall immer ein Kuhstall, eine Scheune immer eine Scheune, oder eine Schule immer eine Schule bleiben. Doch dieser denkmalschützerische "Fundamentalismus" ist meines Erachtens nicht erstrebenswert.
Ziel eines guten Denkmalschutzes sollte es sein, dass die schützenswerten Gebäude eine Funktion, einen "Sitz im Leben" der Bürger gewinnen, d. h. mit möglichst wenig Eingriffen in die Bausubstanz in anderer Funktion weiter genutzt werden und so besser erhalten werden können. Das sakrosankte Festhalten an funktionslosen Hüllen (das Wasserhäuschen ist ja kein Wasserhäuschen mehr, sondern nur noch die Hülle davon) gebiert jedoch eine Art von Denkmalschutz-Disneyland.
Das Umfunktionieren des Wasserhäuschens in eine Art Aussichtsplattform bewahrt die ursprüngliche Bausubstanz so gut wie vollständig, eine Rückführung in den früheren Zustand ist leicht wieder möglich und jeder kann noch nachvollziehen, wie das Wasserhäuschen einmal ausgesehen hat. Wie eine Anhebung des Daches aussehen könnte ist auf der Fotomontage unten skizziert. In seiner veränderten Proportion erinnert es stark an Aussichts-"Weinberghäuschen", wie sie in den letzten Jahrzehnten mancherorts in Rheinhessen entstanden sind.
Das Ansinnen des Gemeinderats, das Wasserhäuschen mit einer Aussichtsplattform zu versehen, wurde jedoch aus Denkmalschutzgründen abgelehnt. Der Widerspruch der Gemeinde gegen diese Ablehnung wurde am 26. 10. 2009 vom Kreisrechtsausschuss des Landkreises Alzey-Worms ebenfalls zurückgewiesen. Grundlage hierzu sei, laut dem ergangenen Bescheid, der §13 Absatz 1 Nr, 2 des Denkmalschutzgesetzes, nach dem geschützte Kulturdenkmäler nur mit Genehmigung der Denkmalschutzbehörde umgestaltet oder sonst in ihrem Bestand verändert werden dürfen. Der Kreisrechtsausschuss sieht im Gabsheimer Wasserhäuschen ein "architektonisches Meisterwerk" und ein "kunsthistorisch äußerst wertvolles Denkmal", wobei durch die vorgesehene Änderung "der Status des historischen Bauwerkes in seinen Grundfesten tangiert und damit erheblich in die Bausubstanz eingegriffen werde". Es ist klar, das ein Bauwerk, das mit solchen Qualtätskriterien wie "architektonisches Meisterwerk", "kunsthistorisch äußerst wertvolles Denkmal" wohlfeil bedacht wird, nicht mehr angerührt werden darf. Die Gemeinde Gabsheim wird nun sehen, wie man den Mittelpunktplatz mit anderen Maßnahmen und Aktionen weiter attaktiv ausgestalten kann.
überdachter Sitzplatz



Im April 2011 wurde eine Sitzplatzgruppe überdacht. Hier können Radfahrer, Wanderer, Pilger, die beim Besuch des Mittelpunktes von schlechter Witterung überrascht werden, geschützt im Trockenen verweilen. Genau so bietet er Gruppen, die am sich am Mittelpunktplatz zum Feiern einfinden ein Obdach gegen Sonne und Regen.

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© Rudolf Post, September 2011

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