Die Pfarrkirche St. Alban in Gabsheim
die Kirchenfenster

Die Kirche von Gabsheim besitzt keine Glasfenster mehr aus ihrer Erbauungszeit. Alle Fenster der Kirche sind spitzbogige gotische Fenster, wobei die heutige Aufteilung innerhalb der Fenster nicht in allen Fällen mehr der originalen Aufteilung und Gestaltung entspricht, die, zumindest im Chor, aus zwei- und in der Mitte aus dreibahnigen Maßwerkfenstern bestand. Heute ist nur noch das mittlere und das links vorne gelegene Chorfenster mit einem Maßwerk versehen.

Die noch erhaltenen Maßwerkfenster:
Bild 1: dreibahniges Chormittelfenster mit zwei Dreipässen und Vierblatt.
Bild 2: zweibahniges Chorfenster (gegenüber der Sakristei) mit Dreipass.
Bei Bild 3 des nordöstlichen Chorfensters sieht man (wie auch beim hier nicht abgebildeten südöstlichen Chorfenster) noch die Ansätze des unsauber herausgehauenen ehemaligen Maßwerks.

Das seitliche, der Sakristei gegenüber liegende Chorfenster wurde erst bei der Renovierung 1877 anstelle eines früher gewesenen aber zugemauerten Fensters eingebaut. Es zeigt im oberen Bereich noch Teile der früheren Kirchenverglasung (Bild 4).

Bei den ursprünglichen, in zwei Segmente gegliederten Maßwerkfenstern im Chor und wohl auch im Schiff, wurden bis auf das Nordfenster und Hauptfenster im Chor das Stab- und Maßwerk herausgeschlagen. Ansätze des ehemaligen Maßwerks sind, wie oben in Bild 3 zu sehen, stellenweise noch von außen zu erkennen. Beim Abriss des ehemaligen Kindergartens im Jahr 2008 kamen Reste von Stab- und Fenstermaßwerk, wohl aus der Gabsheimer Kirche zum Vorschein, die man dort einer zweiten Verwendung zugeführt hatte (Bild 5).


Die Glasfenster von Heinz Hindorf im Mittelteil des Chors der Gabsheimer Kirche aus dem Jahr 1971


Mit den drei Bildglasfenstern im Chor der Kirche besitzt Gabsheim hervorragende Werke des Künstlers Heinz Hindorf (1909-1990). Hindorf, der von 1956 bis zu seinem Tode in Michelstadt im Odenwald lebte, gehörte zu den bedeutendsten Glasfensterkünstlern seiner Zeit mit Fenstern im Dom zu Worms, in der Katharinenkirche in Oppenheim, aber auch in der Bergkirche Udenheim, der evangelischen Kirche Schornsheim und in vielen anderen Kirchen Rheinhessens und darüber hinaus. In seiner Jugend hatte er Theologie und Kunsgeschichte studiert und sich, ausgehend von mittelalterlichen Darstellungen, eine Symbol-, Farb- und Bildsprache erarbeitet, die er bei der Gestaltung seiner Werke einsetzte. Elemente seines ikonographischen Programms sind die Farbgebung und verschiedene geometrische Formen, denen eine Bedeutung zukommt. Hier eine Darstellung aus der Hand Hindorfs, die seine Farb- und Formsymbolik dokumentiert (entnommen aus: E. J. Thomas und H.-J. Weichert: Der Maler Heinz Hindorf. Gemälde, Graphik, Glasmalerei, Mosaiken. Darmstadt 1984, S. 55).
Hindorfs ikonogr. ProgrammZu den Fenstern in Gabsheim schreibt die Kunsthistorikerin Susanne Beeh-Lustenberger (entnommen aus: Botschaft im Licht. Die Glasfenster von Heinz Hindorf. Freiburg 1989, S. 25): "Eine erneute tiefe Auseinandersetzung mit der Tradition, nun weniger vom Ikonographischen her, lassen die drei Chorfenster in der katholischen Kirche in Gabsheim (Rheinhessen) 1971 erkennen... Auf der Suche nach neuen Wegen erschien dem Künstler die mittelalterliche Lösung mit Medaillons vor gemustertem Grund als tragende Flächenaufteilung so anregend, daß er sie in verschiedenen Versionen durchspielte. In Gabsheim verwendete er für das dreibahnige Mittelfenster Langpässe, in die er die Darstellungen aus dem Leben Jesu und der Passion bis zur Auferstehung setzte. In die seitlichen Fenster komponierte er große und kleine Rundmedaillons und bezog die notwendige eiserne Verstrebung der Fenster, die Arnaturen, mit in die Gestaltung ein. So entstand ein dreifach abgestuftes Liniengerüst - aus Außenrahmen, Verbleiung und Schwarzlotkontur - , das durch die Unterordnung der technischen Funktion unter den künstlerischen Ausdruck mehr als sonst auf den Aufbau konzentriert. Das System ist als eine Sonderentwicklung innerhalb des Typus der Medaillonfenster in den Kathedralen des Mittelalters des 12. und 13. Jahrhunderts bekannt, die dann aber wieder zu Gunsten der weniger aufwendigen gradlinigen Verstrebung aufgegeben wurde. Auch Hindorf hat diese Idee nicht weiter verfolgt, da es für seine Themenwelt keine entscheidenden Vorteile bot. Das zeigt die Anordnung in Gabsheim, wo rechts übereinander die klugen Jungfrauen, die Heimsuchung, Verkündigung an die Hirten, die Geburt Christi, der Stall von Bethlehem, die drei Königie und die Verkündigung dargestellt sind, links die törichten Jungfrauen, der verlorene Sohn, die Erschaffung Evas, das Paradies, der Seelenwäger Michael sowie der gute und böse Sämann."





Das mittlere Chorfenster:
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links: Die wunderbare Brotvermehrung

mitte: Die Auferstehung Jesu am Ostermorgen

rechts: Die Erweckung des Lazarus








links: Der reiche Fischfang

mitte: Die Kreuzigung Jesu mit Maria und dem röm. Hauptmann

rechts: Jesus treibt die Dämonen aus







links: Die Taufe Jesu im Jordan

mitte: Jesus und die schlafenden Jünger am Ölberg

rechts: Die Heilung des duch das Dach herabgelassenen Lahmen

Das linke Chorfenster
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der gute und der böse Sämann



St. Michael






Adam und Eva






die Erschaffung der Frau




Heimkehr des verlorenen Sohns





der verlorene Sohn verprasst sein Erbteil




Der Kirchenpatron St. Albanus




die törichten Jungfrauen





die leeren Ölgefäße

Das rechte Chorfenster
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die Verkündigung Gabriels bei Maria



die drei Weisen aus dem Morgenland




Der Stern über dem Stall



Geburt Jesu im Stall von Bethlehem






die Engel auf den Feldern





die Verkündigung des Engels an die Hirten




die Heimsuchung Mariens




die klugen Jungfrauen




die brennenden Lampen


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© Rudolf Post, Februar 2010

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